10 wichtige Fragen-Antworten und Tipps zum Thema „Erfolgreich selbständig werden“

    

1. Selbständig werden: Wer ist dafür besonders geeignet?

Es gibt verschieden Faktoren, die eine Selbständigkeit begünstigen. Wichtigste Faktoren sind die persönlichen Voraussetzungen. Idealerweise sind folgende Erfolgsfaktoren vorhanden:

  • Unternehmerisches Denken
  • Risikofreudigkeit
  • Fachliches Können
  • Branchenkenntnisse und Führungserfahrungen
  • Physisch und psychisch gesund
  • Idealismus, Herzblut
  • Belastbarkeit (zeitlich, persönlich, Niederlagen wegstecken können)
  • Betriebswirtschaftliches Wissen
  • Verkäuferisches Flair
  • Gutes Beziehungsnetz
  • Einige Fr. 1'000.- aus eigenen Mitteln, welche investiert werden können
  • Eine starke Geschäftsidee

Fazit: Wer erfolgreich selbständig werden will, sollte sich gut überlegen, ob die obenstehenden Punkte erfüllt sind.

2. Welches sind die wichtigsten Vor- und Nachteile der Selbständigkeit?

Viele angehende Selbständige träumen davon, eigene Ideen zu verwirklichen. Häufig ist geht es auch darum, sein eigener Chef zu sein und niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. Es geht also primär um mehr persönliche Freiheit und Selbstverwirklichung. Wer sich selbständig macht, muss aber auch einige Nachteile in Kauf nehmen.

Vorteile der Selbständigkeit:

  • Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, Freiheit, keine Konflikte mit Vorgesetzten
  • Höhere Arbeitsmotivation, weil man für sich selbst arbeitet
  • Die Chance, seine eigene Berufung auszuleben
  • Die Chance, mehr Geld als in einem Angestelltenverhältnis zu verdienen
  • Stärkung der eigenen Persönlichkeit aufgrund der grossen Herausforderungen
  • Bewunderung aus dem sozialen Umfeld

Nachteile der Selbständigkeit:

  • Hohes geschäftliches Risiko, niedrigere existenzielle Sicherheiten
  • Hohe zeitliche Arbeitsbelastung
  • Psychische Belastung: Erfolgsdruck, Umgang mit Niederlagen
  • Mühe, wirklich abschalten zu können
  • Je nach Art des Unternehmens müssen hohe Investitionen getätigt werden
  • Je nach Geschäftsverlauf kann es Jahre dauern, bis man das frühere Einkommen erreicht
  • Eigene Vorsorge für Verdienstausfall und Alter

3. Erfolgreich selbständig werden: Welches ist das ideale Vorgehen?

In einem ersten Schritt sollte eine Geschäftsidee vorhanden sein, die sich positiv von anderen unterscheidet und deshalb gute Erfolgschancen hat. Mit „positiv unterscheiden“ sind Gründe gemeint, die dazu führen, dass sich der Kunde für das eigene Angebot entscheidet. In einem zweiten Schritt sollten die Erfolgschancen durch Marktbefragungen und Tests abgeklärt werden. Idealerweise können während den Markttests bereits erste Kunden gewonnen werden. Erst wenn klar ist, dass die Geschäftsidee erfolgsversprechend und realisierbar ist sollte eine Selbständigkeit ins Auge gefasst werden.

Bei der Gründung sollten die Optionen „Kauf eines Unternehmens“ und „Franchising“ in Betracht gezogen werden. Mit einem Pionierunternehmen (Gründung auf der grünen Wiese) liegt die Erfolgswahrscheinlichkeit, die ersten fünf Jahre zu erleben, bei rund 50%. Bei der Übernahme eines bestehenden (erfolgreichen) Unternehmens liegt dieser Erfolgsfaktor bei über 90%, bei einem etablierten Franchise-System bei über 80%. Die Unternehmensverkäufe nehmen laufend zu, weil alleine in der Schweiz in den kommenden Jahren über 50'000 KMUs Schwierigkeiten mit der Unternehmensnachfolge haben. Dies senkt die Preise für den Kauf von Unternehmen, was für Firmengründer eine grosse Chance darstellt. Als alternative Form der Finanzierung bei einem Unternehmenskauf kommt die Lohnfortzahlung an die alten Eigentümer in Frage. So können die Kosten für die Geschäftsübernahme abbezahlt werden, und es muss nicht eine grosse Summe auf einmal bezahlt werden.

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor, um erfolgreich selbständig zu werden, sind Branchen- und Marktkenntnisse sowie Beziehungen zu Marktpartnern. Idealerweise werden aufgrund dieser Beziehungen bereits erste Aufträge oder Kooperationen in Aussicht gestellt oder fix zugesagt.

Alle weiteren Schritte wie Businessplan, Beschaffung von finanziellen Mitteln, Eintrag ins Handelsregister etc. können dann in Angriff genommen werden, wenn die Punkte „Erfolgreiche Geschäftsidee“, „Branchen- und Marktkenntnisse“ sowie „in Aussicht gestellte oder fixe erste Aufträge oder Kooperationen“ gegeben sind.

4. Wie kommt man zu einer erfolgreichen Geschäftsidee?

Wer erfolgreich selbständig werden will muss sich vertieft mit dem Markt und besonders mit den Kundenbedürfnissen beschäftigen. Hier ist eine Übersicht mit Massnahmen, um zu erfolgreichen Gesprächsideen zu kommen:

  • Kundenbefragungen: Kundenbedürfnisse, Painspotting (Was fehlt aus Kundensicht? Worüber beklagen sich Kunden? Wo haben Kunden einen Leidensdruck?)
  • Gespräche mit Geschäftspartnern aus ähnlichen Branchen oder Lieferanten
  • Erfolgreiche Mitbewerber analysieren
  • Marktanalysen, Marktbeobachtungen
  • Datenbanken mit Geschäftsideen
  • Kreativ-Workshops
  • In Foren und Social Media-Gruppen Fragen stellen, Ideen vorstellen etc.
  • Internetrecherchen: Geschäftsideen im In- und Ausland analysieren, mit dem Keyword Planer von Google AdWords die Google-Suchanfragen analysieren
  • Messebesuche
  • Studien von Verbänden oder anderen Organisationen
  • Branchenspezifische Newsletter und Fachzeitschriften aus dem In- und Ausland
  • Internet-Ausschreibungen (www.atizo.com)
  • Geistesblitz
  • Markttests: Eine Idee auf einer Internet-Seite ausschreiben und mit einer Google AdWords-Kampagne 1-2 Wochen bewerben. Die Reaktionen sammeln und auswerten.

Viele angehende Selbständigerwerbende brüten im stillen Kämmerlein Geschäftsideen aus und hüten diese wie ein Staatsgeheimnis. Dann kommen Sie auf den Markt und stellen fest, dass die Idee gar nicht so gefragt ist wie sie sich erhofft haben. Dies kann bedeuten, dass die Selbständigkeit sofort beendet oder verschoben werden muss. Deshalb ist es heute unerlässlich, mit Marktteilnehmern und vor allem mit potenziellen Kunden zu sprechen.

5. Welche Kriterien sollte eine gute Geschäftsidee erfüllen?

Die Geschäftsidee ist eine der wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Selbständigkeit. Viele Gründer bzw. Gründerinnen, die sich selbständig machen, legen zu wenig Wert auf die Ausarbeitung der Geschäftsidee. Beispiel: Schreiner Max Muster will mit einer Schreinerei selbständig werden und bietet die gleichen Dienstleistungen und Produkte wie seine Mitbewerber an. Im gleichen Ort hat es bereits 20 Schreinereien. Warum sollte sich ein Kunde gerade für den Schreiner Muster entscheiden? Folgende Kriterien sollten bei einer guten Geschäftsidee erfüllt werden:

  • Grosse und steigende Nachfrage im Markt
  • Unterscheidet sich positiv von bestehenden Geschäftsideen und Angeboten
  • Ist nicht einfach zu kopieren
  • Aus Kundensicht gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • Ist realisierbar: finanziell, rechtlich etc.
  • Ist lukrativ: interessante Margen und Gewinne, hohe Stundenansätze, Abo- oder Lizenzmodelle etc.
  • Entspricht der eigenen Berufung bzw. den eigenen Stärken
  • Kann einfach im Markt getestet werden oder noch besser - Es sind wurden bereits positive Markttests durchgeführt

6. Soll ich mich hauptberuflich oder nebenberuflich selbständig machen?

Natürlich ist es ideal, wenn man sich voll und ganz auf die Selbständigkeit konzentrieren kann. Dafür müssen natürlich die finanziellen Möglichkeiten ausreichen, um die Einkommenseinbussen der ersten 1-2 Jahre zu finanzieren. Sind die finanziellen Mittel nicht im entsprechenden Umfang vorhanden, so bietet die Teilzeitselbständigkeit eine gute Alternative, um das finanzielle Risiko zu minimieren. Viele Coiffeusen, Automechaniker oder Treuhänder haben ihre Dienstleistungen zuerst von zu Hause aus angeboten und sich erst dann voll selbständig gemacht, als ein genügend grosser Kundenstamm vorhanden war. Selbstverständlich ist dies für bestimmte Geschäftsideen wie beispielsweise Restaurants, Hotels, Produktionsbetriebe etc. schwieriger, aber in den meisten Fällen ist eine Teilzeitselbständigkeit möglich.

7. Was passiert, wenn ich gesundheitlich bedingt nicht arbeiten kann?

Grundsätzlich ist es für Firmengründer möglich, eine Krankentaggeldversicherung abzuschliessen. Das Problem dabei ist aber, dass viele Versicherer bei Kleinstunternehmen zurückhaltend sind, weil das finanzielle Risiko viel grösser ist als bei grösseren Unternehmen, wo für viele Mitarbeitende Prämien bezahlt werden. Firmengründer, die sich mit einem Einmann- oder Einfrau-Unternehmen selbständig machen wollen, müssen sich deshalb in der Regel einer Gesundheitsuntersuchung unterziehen. Ist der Firmengründer oder die Firmengründerin gesund, so kann eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen werden. Bei älteren Personen steigen die Prämien allerdings stark an.

8. Wie kann ich meine Altersvorsorge sichern?

Bei allen Gesellschaftsformen muss für die AHV (Alters- und Hinterbliebenenversicherung) einbezahlt werden. Bei einer Aktiengesellschaft oder GmbH kann zusätzlich eine Pensionskasse eingerichtet werden. Wer eine Einzelfirma besitzt kann statt einer Pensionskasse eine freiwillige Vorsorge organisieren. Bei der Auszahlung eines tiefen Lohns sinken auch die Beiträge an die AHV, Pensionskasse oder freiwillige Vorsorge, was später die Auszahlungen seitens der Altersvorsorge natürlich vermindern.

9. Wie kann ich das Risiko der Selbständigkeit reduzieren?

Um diese Frage zu beantworten, müssen die wichtigsten Risiken erwähnt werden:

  • Das persönliche Risiko
    • Man ist für die Selbständigkeit nicht geeignet und erfüllt die wichtigsten Voraussetzungen nicht
  • Das geschäftliche Risiko
    • Die Geschäftsidee ist zu wenig stark, um sich im Markt zu etablieren
    • Es dauert zu lange, bis genügend hohe Umsätze erzielt werden können, was zu fehlender Liquidität führt
    • Hohe Schulden bei einem Konkurs
  • Das gesundheitliche Risiko
    • Längere Arbeitsunfähigkeit durch eine Krankheit oder einen Unfall.
    • Burnout

Wer erfolgreich selbständig werden will sollte sich genau überlegen, ob die persönlichen Voraussetzungen für eine Selbständigkeit vorhanden sind (siehe dazu Frage 1). Es gibt viele Gründer und Gründerinnen, die sich diesbezüglich überschätzen. Kommen in der Gründungsphase persönliche Defizite ans Tageslicht, so kann externe Hilfe angenommen oder fehlendes Wissen dazugelernt werden. Sind die Defizite zu gross, sollte die Selbständigkeit aufgegeben werden. Bei knappen finanziellen Mitteln kann eine Selbständigkeit auf Teilzeitbasis in Betracht gezogen werden.  

Das geschäftliche Risiko kann mit den folgenden Punkten reduziert werden:

  • Eine starke Geschäftsidee, die durch Marktabklärungen und positive Markttests bestätigt wurde
  • Erste Aufträge von Kunden sind vorhanden oder wurden in Aussicht gestellt
  • Unternehmenskauf und Franchising abklären
  • Aufbau eines Systems zur Automatisierung der Kundenakquisition: Kooperationen, Empfehlungsmarketing (Mund-zu-Mund-Werbung), Auffindbarkeit bei Google, Standort bei Restaurants und Ladengeschäften etc.
  • Verkäuferische Fähigkeiten sind bereits vorhanden oder werden erlernt.
  • Mix aus Job und Teilzeitselbständigkeit
  • Unterstützung durch den Lebenspartner
  • Je nach Grösse des Risikos, sollte eine Gesellschaftsform mit beschränkter Haftung wie eine GmbH oder Aktiengesellschaft gewählt werden.

Beim gesundheitlichen Risiko können Heilungskosten durch die Krankenkasse und Lohnausfälle durch eine Taggeldversicherung abgesichert werden. Allerdings werden durch die Taggeldversicherung lediglich der Lohn oder ein Teil davon abgesichert. Die übrigen Betriebskosten wie die Miete etc. laufen natürlich weiter. Ein langfristiger Lohnausfall kann durch eine Invalidenversicherung gedeckt werden. Beim gesundheitlichen Risiko müssen natürlich auch die präventiven Massnahmen wie Fitness und ein gesunder Lebensstil erwähnt werden. Auf der mentalen Ebene ist bei Firmengründern der Austausch mit anderen Selbständigerwerbenden sowie ein stabiles privates Umfeld wichtig. Die Lebenspartner und Familie sollten die Selbständigkeit unterstützen und die Firmengründer bei ihren Vorhaben motivieren, sonst sinken die Erfolgschancen.

10. Wie kann ich meine Selbständigkeit finanzieren?

Eine der Kernfragen bei Personen, welche selbständig werden wollen, ist die Finanzierung. Bei der Finanzierung werden zwei Bereiche unterschieden:

  • Die Investitionskosten, damit die Geschäftstätigkeit gestartet werden kann
  • Die Kosten für die Startphase, in der Regel das erste Geschäftsjahr

Die Höhe der Investitionen variiert je Art des Unternehmens stark. Bei einem Produktionsunternehmen können diese Kosten mehrere hundert tausend Franken oder mehr betragen. Beim Treuhänder, der ein Homeoffice einrichtet, betragen die Investitionskosten einige wenige tausend Franken.

Auch für die Startphase sollten einige Fr. 1'000.- eingeplant werden, um die Lohneinbussen sowie weitere Investitionen wie beispielsweise im Bereich Marketing und Kundenakquisition zu finanzieren.

Die daraus resultierende Start-Finanzierung des eigenen Unternehmens ist für viele Gründerinnen und Gründer ein Knackpunkt. Grundsätzlich stehen verschiedene Finanzierungsarten zur Verfügung, die im Einzelfall jedoch individuell geprüft werden müssen:

  • Private Ersparnisse
    • Dabei ist immer auch auf eine ausreichende Reserve zu achten
  • Darlehen aus dem privaten Umfeld
    • Wenn private Geldgeber bereit sind, dieses Geld notfalls abzuschreiben, ist dies eine günstige Variante. Andernfalls soll darauf verzichtet werden.
  • Pensionskassengelder
    • Diese Gelder mit grösster Vorsicht und nur teilweise einsetzten
  • Bankkredite
    • Mit einem guten Businessplan gewähren einige Banken ab einer Mindestsumme von Fr. 50‘000.00 auch Gründungskredite, meist jedoch nur an Kapitalgesellschaften
  • Kontokorrentkredite
    • Mit einem guten Businessplan gewähren Banken auch Kontokorrentkredite, meist jedoch nur an Kapitalgesellschaften
  • Crowdfunding
    • Diese Art der Kapitalbeschaffung eignet sich gut für Gründungsideen, welche neuartig oder andersartig sind und bei einem breiten Publikum auf Interesse stossen
  • Teilzeitjob
    • Ein Teilzeitjob hilft vor allem in der Startphase die Fixkosten zu decken und fehlende Umsätze auszugleichen